MUTUAL
In ihren Arbeiten untersucht Nina Laaf, wie Formen, Farben und Materialien einander begegnen, sich bedingen, beeinflussen oder entziehen. MUTUAL beschreibt dieses Verhältnis von Wechselwirkung und Eigenständigkeit, ein feines Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten, in dem alles miteinander verbunden ist, ohne sich vollständig festzulegen.
Laaf interessiert sich für Systeme, für ihre inneren Ordnungen und Brüche, für das fragile Gleichgewicht zwischen Stabilität und Bewegung. In ihren Skulpturen und Installationen übersetzt sie das, was im Zwischenmenschlichen geschieht, in plastische Konstellationen: Stahl trifft auf Lack, eine Kordel hält, spannt, verbindet. Formen begegnen sich, berühren sich, halten Distanz. Ein Rohr wird zum Sockel, der sich zu bewegen scheint, eine Fläche zum Körper, der plötzlich Tiefe gewinnt. So entstehen Situationen des Gleichgewichts, in denen Stabilität und Fragilität, Härte und Sanftheit gleichzeitig spürbar werden.
In Werken wie Schwalbe, Shaped Orchid oder False Friends zeigt sich dieses Zusammenspiel als Dialog von Gegensätzen. Organische Linien treffen auf präzise, industriell anmutende Oberflächen, Glanz steht neben matt, Rundung neben Kante. Wiederholung und Variation erzeugen feine Verschiebungen, ein Oszillieren zwischen Vertrautheit und Fremdheit. MUTUAL ist ein offenes System, in dem jedes Element Bedeutung nur im Verhältnis zu einem anderen gewinnt und dennoch seine Autonomie behält. Laafs Skulpturen fragen, wie Nähe entsteht, ohne Vereinnahmung, wie Kontakt möglich ist, ohne Verlust. Diese Sensibilität für das Dazwischen, für das Nicht-Ganz und NichtMehr, prägt ihre gesamte Arbeit.
Die Materialien verhalten sich zueinander wie Menschen: Sie reagieren, sie halten, sie lassen los. Zwischen Oberfläche und Raum, Gewicht und Leere entsteht eine stille Choreografie aus Abhängigkeit und Freiheit. In diesem Gleichgewicht der Gegensätze liegt die Poesie von MUTUAL – eine visuelle Übersetzung dessen, wie wir einander begegnen.
Quelle: Pressemitteilung zur Einzelausstellung Nina Laaf MUTUAL, galerie burster Berlin | November 2025
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In her work, Nina Laaf explores how forms, colors, and materials encounter one another, how they condition, influence, or elude each other. MUTUAL describes this relationship of interaction and autonomy, a delicate web of interdependencies in which everything is connected without ever becoming fully defined.
Laaf is interested in systems, in their internal orders and disruptions, in the fragile balance between stability and movement. In her sculptures and installations, she translates what happens between people into spatial constellations: steel meets lacquer, a cord holds, stretches, connects. Forms encounter one another, touch, keep their distance. A pipe becomes a pedestal that seems to move, a surface turns into a body that suddenly gains depth. Thus, situations of equilibrium emerge in which stability and fragility, hardness and softness become tangible at the same time.
In works such as Schwalbe, Shaped Orchid, or False Friends, this interplay reveals itself as a dialogue of opposites. Organic lines meet precise, industrial-looking surfaces; gloss stands beside matte, curve beside edge. Repetition and variation create subtle shifts, an oscillation between familiarity and the unknown. MUTUAL is an open system in which each element gains meaning only in relation to another and yet retains its autonomy. Laaf’s sculptures ask how closeness can arise without appropriation, how contact is possible without loss. This sensitivity to the in-between, to states of becoming and fading, runs through her entire practice.
The materials behave toward one another like people: they respond, they hold, they let go. Between surface and space, weight and void, a quiet choreography of dependence and freedom unfolds. In this equilibrium of opposites lies the poetry of MUTUAL – a visual translation of how we encounter one another.
Source: Press Release Solo Ehibition Nina Laaf MUTUAL, galerie burster Berlin | November 2025